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Warum Fedex Hermes kaufen wird

FedEx Fokus lag in der Vergangenheit ausschließlich auf dem Express-Geschäft. Für zukunftsgerichtete Investments in ein vom E-Commerce getragenes Zustellnetz war kein Platz. Die Arroganz gegenüber Amazon Logistics befeuert die Überlebensfrage des Logistikunternehmens. Die Shareholder erwarten substantielle Schritte – die Übernahme von Hermes könnte ein solcher Schritt sein. Kann FedEx als Investor das strukturelle Dilemma mit Hermes lösen?

Der Aktienkurs von FedEx ist ein Offenbarungseid: -33% in den letzten 12 Monaten, deutlich schlechter als wesentliche Wettbewerber wie UPS.Viele Analysten sind sich einig, dass die bisherigen Maßnahmen, inkl. der Trennung von Amazon oder dem Kauf von TNT, ganze 3-5 Jahre zu spät kommen. Der Druck auf konkrete Ergebnisse ist hoch – und Deutschland, neben UK und Frankreich, als wesentlicher „Battle-to-Win“ für B2C-Zustellung ausgerufen.

FedEx braucht Taten – gelingt der Markteintritt in Europa mit Hermes-Anteilen?

Die Situation bei FedEx ermöglicht einen „Blick in eine mögliche Zukunft“ auch und gerade für DHL, nach deren Strategiedesaster.

„In Europe, we are simplifying our pricing structures and are opening the valve for e-commerce for the first time ever to further stimulate growth. … We are very excited about the e-commerce potential for our European business.“

Brie Carere, FedEx CMO

Hermes bietet da mit eigener Zustellung in UK und Deutschland für FedEx ein interessantes Profil. Nach eigenen Angaben hat Hermes in UK das größte Versand-Netzwerk (245 Mio Sendungen p.a., 10.000 Zustellern, 5.000 PaketShops, Kunden wie Tesco, Asos, John Lewis, Debenhams etc.). Auch wenn Hermes in Frankreich mit Mondial Relay als Partner versendet, ist auch dieser ein weiterer Fokus-Markt. Diese drei Märkte waren laut Geschäftsbericht Otto 18/19 auch wesentliche Treiber für die Umsätze bei Hermes. Dieses Stärkenprofil entspricht genau den Anforderungen die für FedEx Positionierung interessant wären.

Auch wenn die Akquisition von TNT weder organisatorisch noch preislich verdaut sein dürfte (alleine 1,7 Milliarden Dollar Integrationskosten), erscheint uns FedEx als ein wesentlicher Investor für Hermes in Frage zu kommen.

Geht dem Logistik-Sprinter FedEx die Puste auf der letzten Meile aus?

Fedex hat in seinem Kerngeschäft selber jahrelang das Thema Last-Mile im E-Commerce verschlafen. Die Express-Zustellung als Lösungsansatz für die Anforderungen im Onlinehandel sind längst überholt. Die Ausdauer auf der letzten Meile wird entscheiden ob FedEx tatsächlich auch die strukturellen Schwächen des Zustellnetzes erkannt hat.. Daher erscheint uns FedEx eher als ein „Weiter-So“-Investor für Hermes.

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Hermes: die Suche nach dem Investor und warum das für den Online-Handel von Bedeutung ist

Ein Jahr ist es nun schon her, dass Otto deutlich gemacht hat, dass sie Hermes loswerden wollen. Im Konzernsprech wurde dann recht schnell abgerüstet auf einen „strategischen Investor, der langfristig zur Unternehmenskultur passt“. Gleichzeitig zeigte sich Otto dafür offen sogar die Mehrheit an Hermes abzugeben.

Sehr schnell ist es dann aber auch wieder sehr ruhig geworden um diese Meldung. Wirkliche Updates oder gar verbindliche Statements vom Konzern gab es nicht. Der Schmerz und die Dringlichkeit werden noch nicht groß genug gewesen sein und öffentichkeitswirksame Bieter wie Amazon wurden ohnehin von Vornherein ausgeschlossen. Schätzungsweise wickelt Hermes 98% des gesamten Otto-Paketaufkommens ab daher will man sich die Konkurrenz nicht direkt ins Haus holen. Hinzu kommt, dass  nach unserer Einschätzung gar nicht mal so viele Interessenten bei Otto Einblick in den Datenraum genommen haben – und falls ja, dann doch schnell abgewunken haben.

Jetzt verdichten sich die Signale, dass eine Verkaufsentscheidung kurz bevorsteht. Aktuelle Analysen zu den Otto-Unternehmenszahlen zeigen für uns: Otto setzt ganz auf Profitabilität, die Ausschüttungen an die Eigentümer-Familie erreichen einen neuen Hochpunkt – gleichzeitig hat man mit Hermes Verluste eingefahren und massive Altlasten „auf der letzten Meile“ belegen mangelnde Zukunftsfähigkeit.

Unserer Einschätzung nach verbleiben nur noch ganz wenige tatsächliche Kaufinteressenten und die Entscheidung steht kurz bevor.

Warum ist dieser Investor von Bedeutung für den Online-Handel?

Neben der ganz offensichtlichen Bedeutung für viele Online-Händler aufgrund bestehender Verträge mit Hermes, gibt es noch einen strategischen Grund: Nach den mehr und mehr ans Tageslicht kommenden strukturellen Defiziten, die Hermes vor allem auf der letzten Meile hat, steht ein Kollaps des bestehenden Abwicklungssystems bevor.

Einige große Online-Händler haben bereits seit einigen Jahren erkannt, dass es am Ende des Tages darum geht ausreichend Kapazität und Fallback-Szenarien über verschiedene Player auf der letzten Meile im Zugriff zu haben.

Der Großteil der E-Commerce Unternehmen allerdings ist von nur einem KEP-Dienstleister abhängig. Nicht nur Hermes leidet an diesen strukturellen Defiziten, andere Dienstleister haben dieselben Probleme. Mit dem Investor bekommt Hermes nun allerdings die Chance einen Teilhaber zum Zug kommen zu lassen, der durch neue Ansätze und eine wirklich tiefgreifende Neustrukturierung des Auslieferungsmodells den eigenen Betrieb zukunftsfähig zu machen. Sollte stattdessen eher ein Investor mit einem „Weiter-So“-Ansatz das Ruder übernehmen, könnte sich die Krisenspirale auf der letzten Meile umso schneller drehen. Wir sind gespannt!