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TOP-10 Alternativen zu DHL und Hermes auf der letzten Meile

Grau ist alle Theorie – auch wenn es um das vorherrschende Thema “last mile” geht. Für alle die schon immer wissen wollten wie eine bessere Verhandlungsposition gegenüber DHL/Hermes/… erreicht wird, gibt es hier den Top-10 Maßnahmenplan.

In den Kommentaren zum DHL-Artikel von Exciting Commerce fragte Dan als Vertreter eines typischen mittleren Online-Shops eine wichtige Frage:

Alternativen zu DHL und Hermes auf der letzten Meile im E-Commerce

Nicht nur Dan, sondern eine Vielzahl an Online-Merchants, mit 150k Paketen pro Jahr (und auch ein paar weniger), rücken schon in den “Sweet Spot” für einige der folgenden Maßnahmen. Diese können helfen mindestens die eigene Verhandlungsposition bei den etablierten KEP-Dienstleistern (KEP = Kurier, Express, Paket) zu verbessern. Bestenfalls bringen sie substantielle Alternativen und Backup-Lösungen auf der letzten Meile.

  1. Regelmäßige, d.h. jährliche, Nachverhandlung der bestehende KEP-/Frachtraten; häufig durch (Neu-)Ausschreibung 
  2. Regelmäßige, d.h. quartalsweise Review-Gespräche zu KPIs in der Zustellung  
  3. Mix and Match: Haupt-Carrier sowie Backup-Carrier für Peaks und permanentem Benchmarking  
  4. Smarte Post-Produkte anstatt Paket-Raten
  5. Direct-Injection Modelle zur Einlieferung von Paketen mittels Line-Haul Verbindungen Crossborder und Direkteinspeisung in den Hub eines lokalen Carriers
  6. Same-Day Provider in Ballungsgebieten für flexible Services und Substitution von relativ teuren Express-Produkten 
  7. Optimierung interner Prozesse: Reduktion von Großpaketen und / oder Sperrgut-Aufschlägen  
  8. Optimierung interner Prozesse II: Reduktion von Order-Splits, weg von mehreren Paketsendungen hin zu einer Sendung 
  9. Im Falle von stationären Filialen: Belieferung des Umfelds mit eigenen Transportfahrzeugen oder über die Crowd
  10. Im Falle keiner stationären Filialen: Nutzung von Letzte-Meile Startups für eine Umfeldbelieferung

Für einen tieferen Einblick in die einzelnen Punkte und ein bisschen mehr Hands-On, gibt es zum Maßnahmenplan ab sofort eine eigene Reihe hier bei Beyond E-Commerce.

Lesetipp: die strategische Bedeutung der Investorensuche bei Hermes für den Online-Handel allgemein

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Amazon übernimmt die letzte Meile – dort wo DHL & Co Schwächen haben

Auf dem Weg in die Unabhängigkeit: Amazon stopft die Löcher von DHL, Hermes & Co – und baut so seine Letzte-Meile-Zustellservices sukzessive aus.

Dass Amazon Ambitionen hat eine echte Alternative auf der letzten Meile zu werden, und dies bereits ordentlich umgesetzt bekommt, ist nichts neues.

Letzte Meile wird von Amazon in immer mehr Regionen selbst übernommen
Quelle: Google-Suche zu Amazon letzte Meile Zustellung

Meldungen wie die Zustellung durch Amazon in Nordhessen (Bad Hersfeld, 100 Fahrer, ca. 10.000 Sendungen pro Tag) ermöglichen allerdings eine gute Analyse des Schemas, das hinter Amazons last-mile-Ambitionen steckt:

Amazon übernimmt immer in genau den Regionen die Zustellung, in denen die bisherigen Carrier wie DHL oder Hermes ihre Schwächen haben.

Es geht in der aktuellen Phase also um Löcher stopfen und eine Sicherstellung der Lieferfähigkeit im Sinne von ausreichend Kapazität. Ziel ist das Erreichen von bloßer Zustellung und der damit einhergehenden Kundenzufriedenheit. Es geht noch nicht so sehr darum, flächendeckend und auch auf einem strukturell anderen Level als die „etablierten“ KEP-Dienstleister diese „letzte Meile“ abzubilden. Trotz der momentanen Situation ist das Ziel klar vorgegeben: Amazon führt Tests für die Skalierung dieser Abwicklung durch (vorgepackte Fahrzeuge, vorgeplante Touren, konsolidierte Zustellung etc.) um zukünftig autark zu sein.

Das sagt Amazon zu seinen Ambitionen auf der letzten Meile: 

„Wir investieren in zusätzliche Logistik, damit Pakete schneller und flexibler zum Kunden kommen. Wir gehen in die Regionen, wo die bestehenden Kapazitäten alleine nicht mehr ausreichen.“

Ralf Kleber, Amazon Deutschland Chef, Interview 3/2019

Das muss man wissen: 

Sobald man die Lead-Times der KEP-Dienstleister systematisch auswertet, sieht man je nach PLZ-Gebiet eklatante Unterschiede. Auch sind die in den Verträgen genannten Lead-Times wie E+1 (Einlieferung plus ein Tag) nicht garantiert, sondern stellen lediglich Richtwerte dar. Fazit: in bestimmten Städten kann die für das Kundenerlebnis wichtige Zustellquote im ersten Versuch besonders schlecht sein. In Ballungsgebieten sind attraktive Zusatzservices wie „Same Day“ oder Abendzustellung häufig mit viel zu wenigen Slots am Markt verfügbar. Um den Roll-out der Zustellservices auf die Straße zu bringen, wird sich Amazon auf die PLZ-Gebiete fokussieren, die sich nach ihrer Datenanalyse am besten dafür eignen. 

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Warum Alibaba Hermes kaufen wird

Alibaba markiert mit der Ausbreitung von Logistik-Infrastruktur das Revier in Europa. Es werden Warehouses und Umschlag-Hubs für eine optimierte Zustellung an Endkunden hochgezogen. Was fehlt ist ein Sparringspartner für die letzte Meile. Mit Hermes gewänne der chinesische E-Commerce-Riese eine einmalige Chance in Europa Fuß zu fassen. Hat ein Unternehmen wie die Otto Group den Mut sich darauf einzulassen? Ein Kulturschock wäre es allemal – jedoch einer der der KEP-Branche und damit dem gesamten deutschen/europäischen Onlinehandel gut tun könnte.

Kurzer Abriss der Alibaba (Logistik-) Ambitionen in Europa: 

  • Anmietung von 220.000 Quadratmetern Lager am Flughafen Lüttich 
  • Schon seit 2017 wird über ein Containerterminal von Alibaba in Hamburg spekuliert; wenngleich es hier immer noch keine Entscheidung gibt  
  • Bisher wird auch der deutsche Markt aus einem Logistikzentrum in der Nähe von Prag bedient. Ein weiteres für den europäischen Markt findet sich in der Nähe von London. 
  • Still und heimlich entwickelt Alibaba über seine Logistik-Tochter 4PX Express aber auch schon Lagerflächen in Deutschland, so eine 9.000 Quadratmeter-Fläche in Ginsheim-Gustavsburg und 25.000 Quadratmeter Lager in Bingen. T3N hat hierzu einen sehr lesenswerten Überblicksartikel. Diese Lager dürften allesamt vor allem als Umschlags-Hubs dienen

Die Bedeutung von Europa für das Geschäft nimmt derweil von Jahr zu Jahr zu, wie Jochen Krisch sehr anschaulich herausgearbeitet hat

Noch liegt das außerchinesische Geschäft für Alibaba unter 10%, ist aber 2017 um 233% (vor allem durch die Übernahme von Lazada) und 2018 um 94% gewachsen und gewinnt entsprechend an Bedeutung. GMV-Werte weist Alibaba für dieses Segment noch nicht aus.

Jochen Krisch, Exciting Commerce

Alibaba hat Warehouses & Verteil-Hubs in Europa – einzig der  Zugriff auf die Letzte Meile fehlt

In 2018 hat der Logistik-Arm Cainiao von Alibaba ein ambitioniertes Ziel ausgegeben: 24 Stunden Lieferung innerhalb Chinas und 72-Stunden-Lieferungen weltweit.

Jack Ma bringt die Ambition auf den Punkt: 

World trade will change because of logistics. Global trade will go from containers to packages, from trading between countries to trading between companies. All this change, we should be ready to prepare and fight today 

Jack Ma, Founder Alibaba

Wie sieht das in der Praxis aus? Alibaba kauft sich als strategischer Investor bei diversen KEP-Dienstleistern wie STO Express, ZTO Express, YTO Express, Best ein – diese erhalten wiederum auch Anteile an Cainiao. Diese Partner werden über Tech und Plattform-Ansatz auf ein neues Skalierungsniveau gehoben.

Alibaba kauft Hermes

Diese Investments helfen klar bei dem Erreichen des 24-Stunden-Ziels innerhalb Chinas. Für das Erreichen des Zustellungsziels 72-hours globally würde Hermes mit einem gut aufgestellten Europa-Netzwerk (insbesondere auch in UK) sehr hilfreich sein. Die Kriegskasse wird  gut gefüllt sein, da bisher noch keine vergleichbaren Invests in andere KEP-Dienstleister außerhalb China beschlossen wurden. Daher unsere Hypothese: Alibaba kauft Hermes!

Alibaba hat die strukturellen Schwächen auf der letzten Meile verstanden  

Schon 2014 auf einer Konferenz der KEP- und Postdienstleister hat Alibaba die Schwächen der lokalen Zustellnetze klar benannt:

  • Different customs procedures in different countries
  • No one postal service or courier can deliver everywhere, in time and cost efficiently
  • Very hard to stick with SLA towards endusers due to uncertain or varying service levels of parties involved
  • Cost of oversize (+2 kg) parcels too high to handle, thus narrowing number of goods to be sold and shipped cross border, although there is high demand
  • Too many restrictions on items to be carried (no batteries, phones, tablets, etc…)”

Mit dieser Erkenntnis, dem Wissen um die Stärken von Plattformen und dem Technologiehebel erscheint Alibaba als echter strategischer Investor für Hermes, der auch grundlegende Veränderungen herbeiführen könnte. 

Hauptsache „Gesicht wahren“ bei Otto?

Alibaba kommt somit als strategischer Investor für Hermes in Frage – abgesehen von einem Gewissenskonflikt des Otto-Sproß Benjamin Otto. Sich einen der “großen Bösen” ins eigene Haus zu holen (Paywall), wäre ein strategisches Hakenschlagen sondergleichen. Vielleicht ist die Rothschild Group, die Hermes/Otto bei der Investorensuche berät, ja ein guter Vermittlungspartner. Wie es der Zufall will, vertritt Rothschild auch die Interessen der Alibaba Group als financial adviser.

Weiterführende Links:

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Warum Fedex Hermes kaufen wird

FedEx Fokus lag in der Vergangenheit ausschließlich auf dem Express-Geschäft. Für zukunftsgerichtete Investments in ein vom E-Commerce getragenes Zustellnetz war kein Platz. Die Arroganz gegenüber Amazon Logistics befeuert die Überlebensfrage des Logistikunternehmens. Die Shareholder erwarten substantielle Schritte – die Übernahme von Hermes könnte ein solcher Schritt sein. Kann FedEx als Investor das strukturelle Dilemma mit Hermes lösen?

Der Aktienkurs von FedEx ist ein Offenbarungseid: -33% in den letzten 12 Monaten, deutlich schlechter als wesentliche Wettbewerber wie UPS.Viele Analysten sind sich einig, dass die bisherigen Maßnahmen, inkl. der Trennung von Amazon oder dem Kauf von TNT, ganze 3-5 Jahre zu spät kommen. Der Druck auf konkrete Ergebnisse ist hoch – und Deutschland, neben UK und Frankreich, als wesentlicher „Battle-to-Win“ für B2C-Zustellung ausgerufen.

FedEx braucht Taten – gelingt der Markteintritt in Europa mit Hermes-Anteilen?

Die Situation bei FedEx ermöglicht einen „Blick in eine mögliche Zukunft“ auch und gerade für DHL, nach deren Strategiedesaster.

„In Europe, we are simplifying our pricing structures and are opening the valve for e-commerce for the first time ever to further stimulate growth. … We are very excited about the e-commerce potential for our European business.“

Brie Carere, FedEx CMO

Hermes bietet da mit eigener Zustellung in UK und Deutschland für FedEx ein interessantes Profil. Nach eigenen Angaben hat Hermes in UK das größte Versand-Netzwerk (245 Mio Sendungen p.a., 10.000 Zustellern, 5.000 PaketShops, Kunden wie Tesco, Asos, John Lewis, Debenhams etc.). Auch wenn Hermes in Frankreich mit Mondial Relay als Partner versendet, ist auch dieser ein weiterer Fokus-Markt. Diese drei Märkte waren laut Geschäftsbericht Otto 18/19 auch wesentliche Treiber für die Umsätze bei Hermes. Dieses Stärkenprofil entspricht genau den Anforderungen die für FedEx Positionierung interessant wären.

Auch wenn die Akquisition von TNT weder organisatorisch noch preislich verdaut sein dürfte (alleine 1,7 Milliarden Dollar Integrationskosten), erscheint uns FedEx als ein wesentlicher Investor für Hermes in Frage zu kommen.

Geht dem Logistik-Sprinter FedEx die Puste auf der letzten Meile aus?

Fedex hat in seinem Kerngeschäft selber jahrelang das Thema Last-Mile im E-Commerce verschlafen. Die Express-Zustellung als Lösungsansatz für die Anforderungen im Onlinehandel sind längst überholt. Die Ausdauer auf der letzten Meile wird entscheiden ob FedEx tatsächlich auch die strukturellen Schwächen des Zustellnetzes erkannt hat.. Daher erscheint uns FedEx eher als ein „Weiter-So“-Investor für Hermes.

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Hermes: die Suche nach dem Investor und warum das für den Online-Handel von Bedeutung ist

Ein Jahr ist es nun schon her, dass Otto deutlich gemacht hat, dass sie Hermes loswerden wollen. Im Konzernsprech wurde dann recht schnell abgerüstet auf einen „strategischen Investor, der langfristig zur Unternehmenskultur passt“. Gleichzeitig zeigte sich Otto dafür offen sogar die Mehrheit an Hermes abzugeben.

Sehr schnell ist es dann aber auch wieder sehr ruhig geworden um diese Meldung. Wirkliche Updates oder gar verbindliche Statements vom Konzern gab es nicht. Der Schmerz und die Dringlichkeit werden noch nicht groß genug gewesen sein und öffentichkeitswirksame Bieter wie Amazon wurden ohnehin von Vornherein ausgeschlossen. Schätzungsweise wickelt Hermes 98% des gesamten Otto-Paketaufkommens ab daher will man sich die Konkurrenz nicht direkt ins Haus holen. Hinzu kommt, dass  nach unserer Einschätzung gar nicht mal so viele Interessenten bei Otto Einblick in den Datenraum genommen haben – und falls ja, dann doch schnell abgewunken haben.

Jetzt verdichten sich die Signale, dass eine Verkaufsentscheidung kurz bevorsteht. Aktuelle Analysen zu den Otto-Unternehmenszahlen zeigen für uns: Otto setzt ganz auf Profitabilität, die Ausschüttungen an die Eigentümer-Familie erreichen einen neuen Hochpunkt – gleichzeitig hat man mit Hermes Verluste eingefahren und massive Altlasten „auf der letzten Meile“ belegen mangelnde Zukunftsfähigkeit.

Unserer Einschätzung nach verbleiben nur noch ganz wenige tatsächliche Kaufinteressenten und die Entscheidung steht kurz bevor.

Warum ist dieser Investor von Bedeutung für den Online-Handel?

Neben der ganz offensichtlichen Bedeutung für viele Online-Händler aufgrund bestehender Verträge mit Hermes, gibt es noch einen strategischen Grund: Nach den mehr und mehr ans Tageslicht kommenden strukturellen Defiziten, die Hermes vor allem auf der letzten Meile hat, steht ein Kollaps des bestehenden Abwicklungssystems bevor.

Einige große Online-Händler haben bereits seit einigen Jahren erkannt, dass es am Ende des Tages darum geht ausreichend Kapazität und Fallback-Szenarien über verschiedene Player auf der letzten Meile im Zugriff zu haben.

Der Großteil der E-Commerce Unternehmen allerdings ist von nur einem KEP-Dienstleister abhängig. Nicht nur Hermes leidet an diesen strukturellen Defiziten, andere Dienstleister haben dieselben Probleme. Mit dem Investor bekommt Hermes nun allerdings die Chance einen Teilhaber zum Zug kommen zu lassen, der durch neue Ansätze und eine wirklich tiefgreifende Neustrukturierung des Auslieferungsmodells den eigenen Betrieb zukunftsfähig zu machen. Sollte stattdessen eher ein Investor mit einem „Weiter-So“-Ansatz das Ruder übernehmen, könnte sich die Krisenspirale auf der letzten Meile umso schneller drehen. Wir sind gespannt!